Hotline für Betroffene von Terroranschlägen startet

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Opferbeauftragter im HNA-Interview zum Jahrestag des Anschlags in Hanau

Im Schildkrötengang

Edgar Franke zum Jahrestag des Anschlags in Hanau

 

„Wir werden die Namen und Schicksale von Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saraçoğlu nie vergessen.

 

Ich habe seit dem rassistischen Terroranschlag häufig ihre Familien getroffen. Der Attentäter hat ihnen ihre geliebten Kinder, Eltern und Geschwister genommen. Ihre Familien haben unfassbares Leid erfahren. Die Pandemie machte gemeinsames Trauern noch schwerer. Wir haben versucht, psychologisch, praktisch und finanziell zu helfen.

 

Die Familien der Opfer kämpfen sich mit großer Kraft zurück ins Leben. Wir werden weiter für sie da sein, auch noch Jahre nach der Tat. Den Opfern muss all unsere Aufmerksamkeit und Solidarität gelten.

 

Unsere Gesellschaft darf gerade jetzt nicht weiter auseinanderdriften. Wir müssen hart daran arbeiten, das tief erschütterte Vertrauen in den Schutz des Staates wieder zu gewinnen. Wir dürfen nicht vergessen, welch tiefe Ängste ein solcher Anschlag bei all den Menschen auslöst, die rassistische Angriffe im Netz und auf der Straße erleben. Wir müssen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung konsequent bekämpfen und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft stärken. Dafür müssen die Maßnahmen, die wir im Kabinettausschuss gegen Rechtsextremismus als Konsequenz aus Hanau beschlossen haben, schnell umgesetzt werden.

 

Aus Sicht vieler Opfer steht die Aufklärung noch am Anfang. Gegen einen toten Attentäter kann es keinen öffentlichen Strafprozess geben, in dem die Opfer Fragen stellen können. Umso wichtiger ist es, trotzdem alle Hintergründe lückenlos aufzuklären. Nur so ist eine Verarbeitung der schrecklichen Traumata überhaupt denkbar. Die Beantwortung der quälenden Fragen der Hinterbliebenen an die hessischen Behörden nach nicht funktionierenden Notrufen oder der Waffenerlaubnis des vor der Tat schon lange auffälligen Täters ist überfällig.“

 

 

Erläuterungen:

Der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Edgar Franke, war seit dem Anschlag an 30 Tagen für persönliche Gespräche mit den Hinterbliebenen der Opfer, Verletzten und Augenzeugen in Hanau. Gemeinsam mit den Opferbeauftragten der Stadt Hanau und des Landes Hessen sowie allen weiteren Beteiligten – u.a. der hessischen Polizei, der Bundesanwaltschaft, dem Bundeskriminalamt, Opferhilfeeinrichtungen, dem Ausländerbeirat der Stadt Hanau, zivilgesellschaftlichen Initiativen und Glaubensgemeinschaften – koordinierte er die Unterstützung der Opfer. Die Stadt Hanau hat eine psychosoziale Koordinierungsstelle eingerichtet, bei der alle psychosozialen Unterstützungsangebote gebündelt und organisiert wurden. Der Opferbeauftragte hat am Tag nach dem Anschlag ein 24-Stunden-erreichbares psychosoziales Beratungstelefon geschaltet.

 

Um ihnen in dieser schrecklichen Zeit Existenznöte zu nehmen, hat der Bund die Betroffenen mit finanziellen Soforthilfen in Höhe von bislang 1.199.000 Euro unterstützt, davon 1.090.000 Euro an 42 Hinterbliebene (Eltern, Ehe- oder Lebenspartner, Kinder, Geschwister) und 109.000 Euro an 19 körperlich verletzte und traumatisierte Opfer. Weitere, auch dauerhafte Unterstützung ist nach dem Opferentschädigungsgesetz möglich. Zudem hat das Land Hessen einen Opferhilfefonds eingerichtet.

Grünen-Fraktionschef verteidigt Opferfonds des Landes

RTL.de vom 05. Februar 2021

 

Straftaten gegen Kommunalpolitiker gezielter erfassen

Süddeutsche Zeitung vom 04. Februar 2021

 

Opferbeauftragter: Müssen Kommunalpolitiker besser schützen

4. Gedenktag des Anschlags am Breitscheidplatz

Lahrer Zeitung https://portalb.dbtg.de/,DanaInfo=www.lahrer-zeitung.de,SSL+inhalt.mecklenburg-vorpommern-schwerin-landesverfassungsschutz-chef-mueller-entlassen.87c1582f-5fc8-4c8d-9477-df8f92eaa4e8.html 

Kabinett beschließt Maßnahmenpaket

Diesen Link anklicken:

Kampf gegen Rechtsextremismus_ Kabinett beschließt Maßnahmenpaket _ tagesschau.de_021220

 

Siehe auch: https://www.tagesschau.de/inland/rassismus-rechtsextremismus-101.html 

Bundesregierung beschließt Maßnahmenpaket gegen Rassismus

Zeit online vom 02. Dezember 2020

Kabinettsausschuss_ Bundesregierung beschließt Maßnahmenpaket gegen Rassismus _ ZEIT ONLINE_021220

Siehe auch: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-12/kabinettsausschuss-rassismus-rechtsextremismus-massnahmenpaket-bundesregierung-demokratie-christine-lambrecht?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F 

Kabinettsausschuss beschließt Maßnahmenpaket zur Rassismusbekämpfung

Quelle: https://www.euractiv.de/section/antidiskriminierung/news/kabinettsausschuss-beschliesst-milliardenschweres-massnahmenpaket-zur-rassismusbekaempfung/ 

 

Opferschutz soll gestärkt werden

Was die Regierung gegen Rassismus und Extremismus tun will

 

Pressemeldung des Opferbeauftragten

Zur Unterstützung der Hinterbliebenen und des Verletzten des mutmaßlich radikal-islamistischen Tötungsdelikts in Dresden erklärt der Beauftragte der Bundesregierung für Terroropfer, Prof. Dr. Edgar Franke, MdB:

 

„Der islamistische Terror bedroht unsere Gesellschaft und zielt wahllos auf völlig unbeteiligte Menschen. Das mussten wir wir nun auf schreckliche Weise erneut erleben.

 

Unsere Gedanken und unsere tief empfundene Anteilnahme sind bei der Familie des Ermordeten und dem Verletzten dieses furchtbaren Verbrechens. Dem Verletzten wünsche ich von Herzen eine baldige und vollständige Genesung.

 

Nach Rücksprache mit dem Generalbundesanwalt möchte ich den Familienangehörigen und dem Verletzten die Unterstützung der Bundesregierung anbieten. Die Bundesregierung wird für die Opfer dieser entsetzlichen Tat da sein, wenn nötig auch noch lange nach der Tat. Wir werden versuchen zu helfen, wo immer es geht.“

 

Ergänzend als Hintergrundinformation: Der Opferbeauftragte der Bundesregierung kann Betroffene terroristischer Straftaten insbesondere durch Vermittlung psychologischer, sozialer und praktischer Hilfen unterstützen – in enger Zusammenarbeit mit den Landesopferbeauftragten und den weiteren zuständigen Stellen. Zudem stellt der Bund finanzielle Soforthilfen für Betroffene terroristischer und extremistischer Taten zur Verfügung.

Zusätzliches Geld für Reisekosten von Nebenklägern wird geprüft

Ein Jahr nach rassistischem Attentat – Demokratiekonferenz in Halle

Nach Kritik an Synagogen-Besuch: Leiter nimmt Haseloff in Schutz

Nach Kritik an Synagogen-Besuch_ Leiter nimmt Haseloff in Schutz – katholisch.de

Oktoberfest-Attentat: Fonds für Opfer kommt

Oktoberfest-Attentat_ Fonds für Opfer kommt

Steinmeier: Anschlag von Hanau kam nicht aus heiterem Himmel

Steinmeier_ Anschlag von Hanau kam nicht aus heiterem Himmel – WELT

„Ein Held der Anschlagsnacht“: Gedenktafeln und ein Kreuz erinnern an die Opfer des 19. Februar

Bild rechts:

Obwohl die Enthüllungen der beide Gedenktafeln vorher kaum publik gemacht wurden, versammelten sich etwa 100 Menschen am Kurt-Schumacher-Platz und am Heumarkt (unten rechts). © Dieter Kögel

 

21.09.202009:10

TERROR IN HANAU

„Ein Held der Anschlagsnacht“: Gedenktafeln und ein Kreuz erinnern an die Opfer des 19. Februar

Von Dieter Kögel

Mit der Enthüllung von Gedenktafeln am Kurt-Schumacher-Platz in Kesselstadt und am Heumarkt in der Innenstadt in unmittelbarer Nähe der beiden Tatorte des rassistischen Anschlags vom 19. Februar, wurden am Samstag sieben Monate nach der Tragödie erste offizielle und bleibende Gedenkorte geschaffen. Zudem wird künftig am Kurt-Schuhmacher-Platz mit einem Kreuz an die Zivilcourage von Vili Viorel Paun erinnert.

Hanau – Paun wurde in Kesselstadt in seinem Auto erschossen, weil er dem Täter von der Innenstadt aus wohl gefolgt war, um Schlimmeres zu verhindern, wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky in seiner Würdigung betonte. Bei dem Anschlag am 19. Februar erschoss der Täter neun Menschen mit Migrationshintergrund, dann tötete er seine Mutter und sich selbst.

Auch Niculescu Paun, der Vater des ermordeten Vili Viorel Paun, ergriff das Wort. © Dieter Kögel

Die Stadt hatte die Enthüllung der Tafeln an Heumarkt und Schumacher-Platz zuvor nicht publik gemacht und war sparsam mit Einladungen. In Kesselstadt versammelten sich dennoch 100 Menschen auf dem Parkplatz am damaligen Tatort, darunter die Opferbeauftragten von Bund und Land, Edgar Franke und Helmut Fünfsinn, Magistratsmitglieder, und viele Angehörige, Freunde, Bekannte und Wegbegleiter der Opfer sowie Unterstützer.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky enthüllte die Gedenktafeln für die Opfer des Anschlags

Die nun enthüllten Tafeln, so OB Kaminsky, seien „nur ein erster Baustein des Gedenkens, weitere werden folgen.“ Man werde die Opfer nicht vergessen. Dazu solle eine Kultur des Gedenkens beitragen, für deren Entwicklung er die „breitestmögliche Beteiligung der Stadtgesellschaft“ gewinnen wolle. Eine Form des Gedenkens, die auch den Gedanken transportieren soll, dass so etwas wie am 19. Februar 2020 „nicht wieder passiert.“ Jeder Hanauer soll Gelegenheit haben, „seine Meinung zu sagen – sowohl zu Form als auch Ort“ beispielsweise eines Mahnmals.

Kaminsky erinnerte auch daran, dass es auch immer noch offene Fragen der Angehörigen zu den Geschehnissen in der Anschlagsnacht gebe, in der Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtovic, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Paun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saracoglu von dem Hanauer Täter erschossen wurden. Alle Namen der Opfer werden auf den Gedenktafeln genannt, alle Gesichter schauen dem Betrachter entgegen. Vili Viorel Paun hätte, so erinnerte Kaminsky, seinem Schicksal entkommen können. Der junge Mann sei nachts mit seinem Wagen am Heumarkt angekommen, habe die Schießerei mitbekommen und sei dem flüchtenden Täter Richtung Kesselstadt nachgefahren. Fünfmal habe Paun während der Fahrt versucht, den Polizeinotruf zu erreichen. Ohne Erfolg. Denn dort glühten wohl bereits die Leitungen wegen der Schüsse am Heumarkt. Dass der Notruf allerdings stumm blieb, das sei eine der Fragen, die es endlich zu klären gelte. Vili Viorel Paun habe wohl die Verfolgung des Täters aufgenommen, um ihn zu stoppen. Kaminsky: „Er hat gezeigt, was Zivilcourage ist.“ Vili Viorel Paun „war für mich ein Held in dieser Nacht“. Paun starb in seinem Auto. Drei der sieben vom Täter auf den Wagen abgefeuerten Schüsse trafen den 22-Jährigen. Aber nicht nur Vili Viorel Paun wurde anlässlich des ersten Tages der Zivilcourage gewürdigt. Der vom „Institut für Toleranz und Zivilcourage“, einem Teil des Vereins 19. Februar Hanau, ausgerufene Aktionstag, war am Samstag auch Anlass, an den 17-jährigen Hanauer Alptug Sözen zu erinnern. Er wurde 2018 beim Versuch, einen hilflosen Mann von den Gleisen der S-Bahn-Station Ostendstraße in Frankfurt zu ziehen, von einem Zug erfasst und getötet.

An den beiden Tatorten des 19. Februar (hier der Heumarkt) erinnern nun Namenstafeln an die Opfer. © Dieter Kögel

Synagogenbesucher als Zeugen vor Gericht in Halle

Videobeitrag des mdr vom 03.11.2020 mit Interview des Opferbeauftragten.

Attentat von Halle: Synagogen-Besucher als Zeugen vor Gericht

Nach dem Attentat in Halle im letzten Jahr begann am Dienstag der zehnte Verhandlungstag. Diesmal kamen die Vertreter der jüdischen Gemeinde zu Wort, die am Tag des Attentats in der Synagoge waren.

 

Edgar Franke im Interview auf mdr Sachsen-Anhalt…

Gastbeitrag des Opferbeauftragten in der FAZ

Die Zeiten, in denen die ganze Aufmerksamkeit den Tätern galt, sind vorüber. Heute steht das Schicksal der Opfer stärker im Vordergrund. Aber Bund und Länder müssen noch mehr für sie tun. Ein Gastbeitrag. (mehr …)

Geld zur Traumaverarbeitung

FAZ Hanau Fonds Land Hessen

Saida Hashemi, Schwester des getöteten Said Nesar, spricht über die sechs Monate nach dem Anschlag

op-online.de vom 19.08.2020

Hanau: „Alle sollen ohne Angst leben können“

Bild rechts: Durch den Anschlag hat Familie Hashemi ihren lieben Sohn und Bruder Said Nesar verloren. Der zwei Jahre ältere Said Etris überlebte knapp. © Michael Schick

 

Hanau: „Alle sollen ohne Angst leben können“

Durch den Anschlag hat Familie Hashemi ihren lieben Sohn und Bruder Said Nesar verloren. Der zwei Jahre ältere Said Etris überlebte knapp. Sie trauern – und kämpfen für Aufklärung.

Jeden Tag kam Familie Hashemi an ihrem Tisch zusammen. Die Eltern und ihre fünf Kinder aßen in ihrer Wohnung in Kesselstadt gemeinsam, erzählten einander von ihren Erlebnissen und Neuigkeiten, von ihren Hoffnungen, Sorgen und Plänen. Sie genossen dieses Ritual und lachten oft. Es gab ihnen Halt, war Ausdruck ihrer Verbundenheit, die im Gespräch nach wie vor spürbar ist. „Jeder ging seinen Beschäftigungen nach, aber wir sind immer wieder zusammengekommen, um miteinander zu essen“, erzählt Said Etris.

Seit sechs Monaten haben sie nicht mehr am Tisch gesessen und gelacht. Für eine Familie, für die das zu jedem Tag gehört, eine Ewigkeit. Es geht nicht, weil da diese „große Lücke“ ist, erklärt Saida Hashemi. „Mein Bruder Said Nesar fehlt so sehr.“

Der Grund liegt sechs Monate zurück, aber es ist, sagt Saida, „als wäre es gestern passiert. Die Nacht geht uns nicht aus dem Kopf“. Mit Tränen in den Augen sagt Mutter Najiba Hashemi: „Wir sind im Inneren tot.“ Für Saida steht fest: „Unsere Trauer wird nicht vergehen; wir können nur lernen, damit umzugehen.“

Said Nesar Hashemi wurde während des rassistischen Anschlags am 19. Februar ermordet, mit 21 Jahren. Auch sein Bruder Said Etris wurde an jenem Abend von den Schüssen im „Arena Bar & Café“ getroffen. Beide hatten sich dort mit Freunden verabredet. Said Etris überlebte knapp und schwer verletzt.

Der Schock über die Nachricht von dem Attentat. Das Bangen um die Söhne. Die Erleichterung darüber, dass Said Etris am Leben ist und die Trauer um Said Nesar – was Familie Hashemi erleidet, lässt sich nicht ansatzweise mit Worten beschreiben. Genauso wenig, was Said Etris erlebte.

Durch den Anschlag hat Familie Hashemi ihren lieben Sohn und Bruder Said Nesar verloren. © Michael Schick

„Es geht“, entgegnet er auf die Frage, wie er sich fühlt, tapfer. Eine Schulter sei beeinträchtigt, und am Hals habe er ein Taubheitsgefühl. Nach mehreren Wochen auf der Intensivstation sollte er länger im Krankenhaus bleiben. Glücklicherweise heilten die Verletzungen schneller als erwartet, so dass die Ärzte keine großen Bedenken hatten, als er am 3. März auf eigenen Wunsch entlassen wurde. „Ich wollte unbedingt bei der Gedenkfeier am 4. März dabei sein. Das war mein Ziel. Es vergeht keine Minute, in der ich nicht an Said Nesar denke.“ Sein Bruder ist ein Teil von ihm, sie haben sich von klein auf das Zimmer geteilt.

Das Treffen mit Familie Hashemi findet im „Laden“ der Initiative 19. Februar statt, unweit des ersten Tatorts am Heumarkt in der Innenstadt. Über den gemütlichen Sitzecken schmücken viele Fotos der ermordeten Hanauer, Artikel über sie und Plakate der Initiative die Wände, darunter die Ankündigung der großen Demonstration am 22. August – mit den zentralen Forderungen, für die sich die Angehörigen und andere Hanauer einsetzen: „Erinnerung – Gerechtigkeit – Aufklärung – Konsequenzen.“

Die Initiative bedeutet den Hashemis viel. „Wir verstehen uns gut, unterstützen uns gegenseitig“, sagt Vater Mir Salam Hashemi. Und sie kämpfen gemeinsam: „Es ist sehr wichtig, dass die Tat restlos aufgeklärt, Fehler benannt und beseitigt werden, damit so etwas nicht wieder passiert, möglicherweise in noch größerem Ausmaß“, betont Saida. Rechtsextreme Gewalttaten häuften sich, Konsequenzen würden kaum gezogen. Said Etris fordert, „dass die Zuständigen Versäumnisse zugeben und Verantwortung übernehmen. Ein Verschleiern und Totschweigen wie beim NSU lassen wir nicht zu“.

Die Taten seien nicht zufällig passiert, Tobias R. „war kein unbeschriebenes Blatt“. Wie anderen Hinterbliebenen drängen sich den Hashemis viele Fragen auf, auf die sie bislang keine richtige Antwort bekamen, etwa: Warum reagierten weder die Staatsanwaltschaft Hanau noch der Generalbundesanwalt auf die dritte und „finale“ Anzeige von Tobias R., wie er darin schrieb? Warum bekam er eine Waffenerlaubnis, obwohl eine psychische Erkrankung diagnostiziert worden war? Warum wurde die Erlaubnis – ohne eine Prüfung, die den Namen verdient – verlängert, obwohl Verfahren gegen R. liefen? Warum wurden die Sicherheitsbehörden nicht auf die Webseite aufmerksam, auf der er die Tat ankündigte? Während keine Behörde einen Fehler einräumt, alle ein Versagen bestreiten, liegen mittlerweile viele Hinweise darauf vor, wie die Angehörigen kritisieren. Saida hielt während des Gedenkens eine bewegende, auch international viel beachtete Rede. „Am 19.2.2020 schien die Welt in Hanau stillzustehen“, sagte sie. „Das ist nicht der erste Anschlag hier in Deutschland. Aber wir hoffen und beten dafür, dass es der letzte war.“ Und: „Alle Menschen sind gleich und haben es verdient, in einem Land ohne Angst zu leben.“ Dafür müsse noch viel getan werden, konstatiert sie jetzt. Seit dem 19. Februar „wurde viel geredet und wenig gehandelt“.

Said Nesar war der Jüngste, der während des Terroranschlags getötet wurde. Er wurde am 9. Juni 1998 in Hanau geboren und wuchs wie seine Geschwister hier auf. Nach dem Realschulabschluss machte er bei Goodyear Dunlop eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer, arbeitete dort danach in Vollzeit und hätte bald seine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker abschließen können. „Diese Möglichkeit wurde ihm genommen“, sagt Said Etris.

Als friedlichen, hilfsbereiten und herzlichen Menschen beschreiben ihn seine Verwandten und Freunde. Er „hatte immer ein offenes Ohr“ und lächelte viel, wie auf den Fotos zu sehen ist. „Wenn sich zwei stritten, ging er dazwischen und schlichtete“, blickt Said Etris zurück.

Said Nesar sollte in diesem Jahr Trauzeuge seines besten Freundes werden, mit dem er sich kurz vor dem 19. Februar für den Karneval in Nordrhein-Westfalen verabredet hatte. Der 21-Jährige war viel unterwegs, wollte dieses Jahr nach Berlin, eventuell nach Dubai, erzählt Najiba Hashemi, er war „ein offener Mensch, auch kulturell“. Said Nesar hatte viele Freunde; auch ihnen fehlt er sehr. Regelmäßig treffen sie sich nun auf dem Friedhof, denken an ihn, sprechen über gemeinsam Erlebtes. Oft sind es um die 15 Leute, die sich am Grab versammeln. Es fühle sich dann so an, als wäre Said Nesar da, haben sie gesagt. Wenn die Sehnsucht besonders groß ist, kommen sie auch in den Abend- und Nachtstunden.

Gedenken

Beim Terroranschlag am 19. Februar wurden Said Nesar Hashemi, Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtovic, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Paun und Fatih Saraçoglu aus rassistischen Motiven ermordet. Danach tötete der Täter offenbar seine Mutter und sich selbst. An diesem Mittwoch , sechs Monate nach der Tat, finden bundesweit in mehr als 30 Städten Gedenkveranstaltungen statt. Auf dem Hanauer Marktplatz ist für 16 bis 19 Uhr das Zusammenkommen geplant, das Gedenken beginnt um 19.02 Uhr. In Frankfurt geht es um 17.30 Uhr am Opernplatz und um 19 Uhr an der Hauptwache los. In Darmstadt lädt die interventionistische Linke Darmstadt zum antirassistischen Stadtspaziergang ein, der um 18.30 Uhr auf dem Kantplatz startet. Am Samstag , 22. August, werden Menschen aus ganz Deutschland zu einer großen Demonstration nach Hanau reisen. Beginn ist um 13 Uhr in Kesselstadt am Kurt-Schumacher-Platz. Das Motto lautet: Erinnerung – Gerechtigkeit – Aufklärung – Konsequenzen. gha Weitere Infos : www.19feb-hanau.org.

Die Eltern leben in ständiger Angst. Wenn ein Polizeiauto oder ein Rettungswagen zu hören ist, schrecken sie auf, berichtet Mir Salam Hashemi. „Wir haben unseren Sohn verloren. Und unser Vertrauen“, fügt Mutter Hashemi hinzu. Wenn die Kinder nicht da sind, rufen sie oft an, um zu hören, ob alles Okay ist. Täglich gehen die Eltern zum Friedhof, Najiba Hashemi holt auf dem Markt immer frische Blumen. Wenn sie mal verhindert sind, quält es sie. In Said Nesars Zimmer und an seinem Auto haben sie seit dem 19. Februar nichts verändert.

In der Nacht nach den Morden, erinnert sich Saida, „wurden wir hingehalten“. Quälend lange. Und offenbar ohne nachvollziehbaren Grund. Auf der Sterbeurkunde steht 22.10 Uhr als Todeszeitpunkt, ein Polizist teilte ihnen den Tod von Said Nesar aber erst gegen 6.30 Uhr mit, in dürren Worten. Den anderen Angehörigen, die in einer Turnhalle versammelt worden waren, ging es genauso.

In der Folgezeit erfuhren sie fast nichts, weder über die Todesumstände noch über irgendetwas anderes. Und erst nach acht Tagen konnten die Verwandten den Leichnam ihres geliebten Sohnes und Bruders sehen. „Das war sehr schwer, nicht auszuhalten“, erinnert sich Najiba Hashemi. Die Leiche war ohne ihr Wissen zur Obduktion beschlagnahmt worden. „Wir hätten es niemals erlaubt. Wozu auch? Es war nicht notwendig. Said Nesar wurde erschossen, das war eindeutig.“

„Die Opfer waren keine Fremden“, wurde nach der Tat betont. Aber manchmal zweifeln die Hashemis daran. Erst der Umgang mit dem Terroranschlag werde zeigen, ob alle gleich sind. Oder ob es Bürger erster und zweiter Klasse gibt.

Dass ein solcher rechtsextremer Anschlag in Hanau passiert, hätte die Familie nie gedacht. „Das ist eine multikulturelle Stadt“, ist Mir Salam Hashemi überzeugt. Said Etris und Said Nesar waren, wie andere Opfer, dem Jugendzentrum k.town eng verbunden, das nur wenige Meter vom Elternhaus des Attentäters entfernt liegt. „Es ist unser Treffpunkt, Ein Ort, an dem Vielfalt normal ist. Wo jeder so sein kann, wie er ist“, lobt Said Etris.

Ein paar Tage nach der Tat hat Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) die Hashemis besucht und sich viel Zeit genommen. Danach habe die Stadt beispielsweise bei der Beerdigung geholfen. Dem Bund ist die Familie ebenfalls dankbar, auch weil Edgar Franke, der Opferbeauftragte der Bundesregierung, sie schnell kontaktierte und mehrmals in Hanau war.

Vom Land Hessen hingegen sind sie enttäuscht. Zwar erhielten sie Schreiben von Vertretern des Landes. Diese gingen aber offensichtlich nicht aktiv auf sie und andere Familien zu, verhielten sich passiv, halfen zu wenig, trotz der Nähe.

So hat Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Opferfamilien erstmals für den 26. August, mehr als sechs Monate danach, zu einem Empfang und längeren Gespräch eingeladen, was medienwirksam angekündigt wurde. Genauso wie das langfristige „Förderprogramm“ für die Betroffenen, das Innenminister Peter Beuth (CDU) vor ein paar Tagen versprach. Kritik wies er zurück.

Insgesamt mangelt es an Unterstützung. Die Betroffenen konnten auf das Angebot, eine Gesprächstherapie zu machen, zurückgreifen und erhielten finanzielle Soforthilfe. Doch angesichts der Lohnausfälle und der hohen Kosten, die sich aus dem Attentat ergeben haben, wird das Geld schnell knapp. Said Etris bekommt gerade einmal 280 Euro Krankengeld, sein Vater war praktisch Alleinverdiener und ist jetzt erkrankt. Viele Leistungen, etwa nach dem Opferentschädigungsgesetz, erfordern einen enormen bürokratischen Aufwand, sagt Saida, und viel Zeit, bis die Hilfe ankommt: „Es ist hart, dass man nach so einem Schicksalsschlag gleich aufstehen und viel Kraft investieren muss, damit man ein halbwegs normales Leben führen kann.“ Familie Hashemi wohnt ganz in der Nähe des zweiten Tatorts am Kurt-Schumacher-Platz. Wenn sie einkaufen gehen, müssen die Eltern und Kinder daran vorbei, seit sechs Monaten. Es ist unerträglich. Sie suchen dringend nach einer anderen Wohnung, weder Stadt noch Land konnten ihnen bislang eine geeignete vermitteln.

In den vergangenen Wochen hat Saida für ihr Lehramtsstudium gelernt und am Samstag ihr schriftliches Examen absolviert, trotz allem. „Said Nesar hat gesagt: Ich bin stolz darauf, dass du Lehrerin wirst.“ Daran hat sie oft gedacht und Kraft daraus geschöpft.

Ob sie Hanau verlassen wollen? „Ich liebe diese Stadt“, antwortet Saida, ohne zu zögern. Dass sich so viele Hanauer solidarisch mit ihrer Familie erklärten, habe sie bewegt. Said Etris fügt hinzu: „Hanau ist unsere Heimat. Auch mein Bruder hat diese Stadt geliebt. Das zeigte sich zum Beispiel darin, dass er die Ziffern 454, die Teil der Kesselstädter Postleitzahl sind, in seinem Autokennzeichen hatte.“

Die Eltern sagen, es war eine bewusste, klare Entscheidung, Said Nesar in Hanau, wo sein Zuhause ist, bestatten zu lassen, nicht in Afghanistan.

Wegzuziehen kommt nicht in Frage. Said Etris sagt mit Entschlossenheit und Selbstverständlichkeit in der Stimme: „Wenn wir gehen würden, hätten die Rechten gewonnen. Wir lassen uns unsere Stadt nicht nehmen.“

„Der Staat hat gegenüber den Betroffenen von Terroranschlägen eine besondere Verantwortung“

Link zum Interview mit dem Berliner Anwaltsblatt (April 2020)

 

Foto: dpa/Nicolas Armer

Anti-Terror-Zusammenkunft Europäischer Justizminister

Vorwärts 2/2020

Hessische Landesregierung bestellt Opferbeauftragten

Landesregierung bestellt Opferbeauftragten

Bild: wikipedia

Hanau nach dem Anschlag: „Diese Tat hat unsere Stadt kollektiv traumatisiert“

Tagesspiegel vom 22. Februar 2020

Interview zum Terror in Hanau: „Wir versuchen jetzt, den Opfern beizustehen“

Interview NWZ online vom 22. Februar 2020

So erlebte der Opferbeauftragte die ersten Stunden

RNZ Online vom 22. Februar 2020

„Zum Glück gibt es viele Menschen, die beherzt eingreifen“

Beitrag von Deutschlandfunk Kultur vom 22.02.2020

„Wir zeigen: Ihr seid nicht alleine“

Auszug aus der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen vom 22. Februar 2020

Opferbeauftragter: „Nicht nur die Täterperspektive einnehmen“

Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vom 21. Februar 2020

Opfer von Hanau erhalten schnelle Soforthilfe

Zeit online vom 21. Februar 2020

Anschlag in Hanau: „Politik verschweigt Islamfeindlichkeit“

Tagesschau vom 21. Februar 2020

Bluttat in Hanau: Bundesregierung sichert Angehörigen der Opfer schnelle Hilfe zu

Stuttgarter Nachrichten vom 21.02.2020

BMJV: Terroropfer von Halle bekamen bislang 350.000 Euro Entschädigung

Die Welt vom 21. Januar 2020 (Meldung DTS Nachrichtenagentur)

Anschlag auf Breitscheidplatz – viele Verletzte weiterhin Pflegefälle

Die Welt vom 18. Dezember 2019; Artikel mit Video hier zu finden.

Angehörige von Terroropfern warnen vor Reformplänen

Spiegel Online vom 05. November 2019

Beauftragter der Bundesregierung nach Anschlägen in Halle: „Opfern eine Stimme geben“

Mitteldeutsche Zeitung vom 29. Oktober 2019

Trauerfeier in Merseburg für Opfer im Döner-Laden

mdr Aktuell vom 21. Oktober 2019

„Wir behandeln alle Opfer gleich“

Hessisch-Niedersächsische-Zeitung vom 17. Oktober 2019

Nach Angriff von Halle: „Terror-Opfer verdienen die beste Versorgung“

Welt vom 14.10.2019

Tweet von Edgar Franke. Er nahm mit dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, am Gedenkgottesdienst der jüdischen Gemeinde in Halle teil.

„Wir dürfen Opfer nicht vergessen“

ExtraTip vom 07. September 2019

 

Kabinett beschließt mehr Leistungen für Opfer von Gewalt

RP Online vom 26. Juni 2019

Opferbeauftragter dankt Notfallseelsorgern

evangelisch.de vom 23. Mai 2019

Bessere Hilfe für Terror-Opfer

Die Tagespost vom 23. Mai 2019

Für Opfer und Angehörige bitte nur das Beste

inform, Märzausgabe 2019

Opferbeauftragter verlangt Nachbesserung bei Entschädigungsgesetz

NEWS Nachrichten (DTS Nachrichtenagenturmeldung)

Barley wirbt für Opferbeauftragte

Tagesschau.de

Opferbeauftragter sieht Deutschland gegen Terror „besser gerüstet“

Schwäbische Zeitung

Zweiter Terroranschlags-Jahrestag: «Wunde nicht verheilt»

Die WELT

Nach Terroranschlag: Opferbeauftragter immer noch gefragt

Berliner Zeitung

Gedenken zum zweiten Jahrestag des Terroranschlags geplant

Die WELT

Debatte über würdiges Gedenken

Schwäbische Post / Südwest Presse

Terroropferbeauftragter Edgar Franke besucht BBK

Bundesamt für Bevölkerungsschutz & Katastrophenhilfe in Bonn

Opferentschädigungsrecht soll reformiert werden

Behördenspiegel

Beauftragter der Bundesregierung für die Anliegen von Opfern und Hinterbliebenen von terroristischen Straftaten im Inland

Das Bundeskabinett hat am 11. April 2018 Herrn Professor Dr. Edgar Franke, MdB, zum Beauftragten der Bundesregierung für die Anliegen von Opfern und Hinterbliebenen von terroristischen Straftaten im Inland ernannt.

Edgar Franke ist damit zentraler Ansprechpartner für alle Anliegen der Betroffenen von terroristischen inländischen Straftaten. Im Falle eines Anschlags ist es – unbeschadet der bestehen bleibenden Zuständigkeiten der Länder – seine Aufgabe, sich um die Opfer und Hinterbliebenen zu kümmern. Er dient als Kontaktvermittler zu allen mit einem Terroranschlag befassten Behörden des Bundes und der Länder und vermittelt Unterstützung. Darüber hinaus setzt er die Betreuung der Opfer des Anschlags vom Breitscheidplatz fort und betreut die Opfer von Halle und Hanau und ihre Angehörigen. Er ist bei der Durchführung seiner Aufgabe unabhängig.

Opferbeauftragter Franke: „Vieles ist schief gelaufen“

Interview mit der Osnabrücker Zeitung

Bundestag verdreifacht Hinterbliebenengeld

Pressemeldung

»Schwer zu vermitteln«

Der Spiegel

Viele Fragen

Süddeutsche Zeitung

Franke: Gesellschaft muss reagieren

Hessisch-Niedersächsische-Allgemeine

Dr. Edgar Franke, MdB, zum NSU-Urteil

Pressemitteilung

Generalbundesanwalt: Urteil ist kein Schlussstrich

FAZ

Opferbeauftragter ruft nach NSU-Urteil zu Solidarität mit Hinterbliebenen auf

Epoch Times

Erleichterung und mahnende Worte

Deutschlandfunk

Reaktionen auf NSU Urteil „Mein Vater wird dadurch nicht lebendig“

ntv

Mehr Geld für Angehörige von Terroropfern

SEK-News

„Die 140-Euro-Rente bezieht sich nur auf den Schockschaden“

WELT

Angehörige sind von Opferrenten nach Terroranschlag enttäuscht

bz

Wenig Geld, viel Bürokratie: Breitscheidplatz-Opfer fühlen sich im Stich gelassen

Berliner Zeitung

Was Terroropfern zusteht

Tagesschau

Franke: Bald höhere Entschädigung

Hessisch-Niedersächsische-Allgemeine

Opferbeauftragter Franke zur Kritik an Höhe der Rentenleistungen

Pressemitteilung

Opferbeauftragter will Hilfen für Terroropfer verdreifachen

RP ONLINE

„Ich verstehe mich als Kümmerer“

Hessisch-Niedersächsische-Allgemeine

Vermittler nach Terror

ExtraTip

Franke soll Opferbeauftragter werden

Hessenschau